Der Anwalt der User:innen: Andi über die Brücke zwischen Kundenwunsch und Nutzbarkeit
Digitale Projekte können ganz unterschiedlich laufen: Manche schwören auf das perfekte, fertige Briefing zum Start, andere auf volle Flexibilität und ständiges Nachjustieren. Doch was funktioniert in der Praxis wirklich – und wie behält man dabei die Bedürfnisse der Menschen im Auge, die das Produkt später nutzen?
In unserem Interview gibt Andi Einblicke in seine Arbeit als UX-Designer und Konzepter. Er erzählt, warum er sich als „Anwalt der Userinnen“ versteht, wieso er Kund:innen manchmal vor ihren eigenen Ideen schützen muss und warum ein gutes Projekt am Ende weniger von einem starren Budget als von der richtigen strategischen Haltung lebt.
Hi Andi! Was machst du eigentlich genau bei FONDA?
Hallo! Mein Fokus liegt auf UX-Design und Konzept für digitale Produkte – das reicht von klassischen Websites über mobile Apps bis hin zu komplexen Webapplikationen. Das bedeutet meistens, im ersten Schritt Kunden-Meetings zu leiten und gemeinsam mit den Kund:innen die Projektziele präzise herauszuarbeiten. Ich stelle sicher, dass wir das richtige Briefing erhalten, denn oft ist das Ziel zu Beginn noch ziemlich undefiniert. Ich helfe den Kund:innen dabei, sich klar zu werden, was sie eigentlich wollen. Dieses Feedback lasse ich kontinuierlich in das Konzept einfließen. Wir arbeiten daran, dass aus groben Ideen oder Problemen konkrete Dinge werden: Lösungsvorschläge und Ansätze. Der erste Teil meiner Arbeit ist also ziemlich strategisch.
Was sind die ersten Bestandteile eines Konzepts? Wie verläuft das schrittweise?
Wenn wir den Pitch weglassen, geht es meistens darum, dass ein bestehendes Produkt überholt werden muss. Es gibt bestimmte „Pain Points“. Oft sagt die Führungsebene: “Unsere Webseite braucht einen Push” oder “Unsere Webapplikation ist für die Mitarbeitenden zu kompliziert zu bedienen”. Oder wir sehen durch Tools wie Matomo oder Google Analytics niedrige Zugriffszahlen. Manchmal wird auch einfach ein neues Design gewünscht, das UX-freundlicher sein soll. Das ist anfangs oft sehr grob. Die wenigsten Kunden kommen mit konkreten Ideen zu uns. Wir schauen uns den Ist-Zustand an, egal ob es um Informationsarchitektur auf einer Website oder User-Flows innerhalb einer App geht, und schlagen vor, welchen Problemen wir uns zuerst annähern. Im Austausch definieren wir dann gemeinsam, ob diese Probleme relevant und aus Kundensicht machbar sind. Durch gezielte Fragen versuchen wir herauszufinden, was die Kunden wirklich wollen, da sie es oft nicht gewohnt sind, in Design-Prozessen zu denken. Sie denken oft entweder eher oberflächlich oder bereits extrem detailliert. Aus diesem Mix, von der Führungsebene bis zu den Fachpersonen, müssen am Ende ein klares Briefing und unser Konzept entstehen.
Was ist für dich leichter: Wenn jemand einen exakten Plan hat oder wenn du selbst mehr Spielraum zum Denken hast?
Grundsätzlich arbeite ich lieber mit Leuten, die eine ungefähre Vorstellung von ihrem Ziel haben, sonst dauert der Orientierungsprozess sehr lange. Wir verstehen uns als Anwalt der User:innen. Viele unserer Projekte sind hochperformante Webapplikationen oder Service-Plattformen, wie etwa die der Universitäten, die täglich funktionieren müssen. Wenn dort die User Experience in der App hakt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsalltag der Leute.
Welche Themen beschäftigen Kund:innen am häufigsten?
Oft sind es ähnliche Themen. Barrierefreiheit ist häufig ein Grund für ein neues Projekt. Aber auch Analytics-Daten, die zeigen, dass Inhalte nicht gefunden oder missverstanden werden, sind oft Auslöser. Webseiten haben zudem Lebenszyklen: Nach 5 bis 10 Jahren ist eine Erneuerung durch den technologischen Fortschritt meist notwendig. Aktuell ist natürlich auch der Einsatz von KI ein großes Thema. Die wenigsten Kunden starten bei uns komplett bei Null mit ihrem allerersten Webauftritt.
Muss man Kund:innen manchmal bremsen?
Wenn das Projekt läuft, schon. Am Anfang ist theoretisch alles möglich, aber es ist immer eine Budgetfrage. Wir müssen abwägen: Rentiert sich eine interaktive Infografik für mehrere tausend Euro bei rund zwanzig Zugriffen im Monat? Ist es sinnvoll, das Geld darin zu investieren, oder engagieren wir lieber eine:n Fotograf:in für ein eigenständiges Bildkonzept? Das ist eine strategische Abwägung.
Kommt man sich mit anderen Disziplinen im Team manchmal in die Quere, ähnlich wie bei Architekt:innen und Ingenieur:innen?
Ja, dieses Spannungsfeld zwischen Technik und Design gibt es immer. Die Techniker:innen sehen realistischer, welcher Arbeitsaufwand hinter einer Idee steckt. Manchmal sind sie zu realistisch, da Lösungen durch Nachhaken oft doch machbar sind. Mir helfen meine eigenen Kenntnisse in HTML und Programmierung dabei, in der Kommunikation mit den Entwickler:innen abzuschätzen, was möglich ist. Ein gutes Projekt versucht beides: Die Grenzen zu pushen, aber im Rahmen des Machbaren zu bleiben. Intern diskutieren wir viel, was gut ist, da auf diesem Weg viele verschiedene Ideen zusammenkommen. Am Ende setzen wir uns zusammen und entscheiden, was die beste und sinnvollste Lösung ist.
Werden viele Ideen wieder verworfen?
Nicht grundlos. Aber in Rücksprache mit dem Kunden oder durch Usability-Tests kann es passieren, dass wir Dinge revidieren, wenn sie nicht so funktionieren wie erwartet. Besonders bei ausgefallenen Ideen muss man manchmal nachjustieren.
Was hat sich in deinem Bereich in den letzten Jahren stark verändert, etwa durch KI?
Das Tempo ist enorm gestiegen. Früher war es akzeptiert, wenn Dinge länger dauerten. Heute heißt es oft: „Wir brauchen 37 Wireframes bis übermorgen.“ Der Druck ist höher, obwohl die Tools effizienter sind. Manchmal müsste man eigentlich sagen: „Lass uns langsamer machen und gründlicher drüber schlafen.“ Stattdessen erstellt man oft drei Varianten zur Auswahl. Zur KI: Viele Kunden sind heute informierter, weil sie sich vorab Infos einholen. Das macht die Kommunikation oft realistischer.
Du bist für dein Masterstudium zwischenzeitlich in die Niederlande gezogen. Warum bist du danach wieder zu FONDA zurückgekehrt?
Einerseits wegen des Teams – viele Kolleg:innen von früher sind noch da. Ich war auch während meiner Pause als Freelancer immer mal wieder mit der Agentur verbunden. Ich bin damals nicht gegangen, weil es nicht passte, sondern um meinen Master zu machen und in Holland zu leben. Für eine Digitalagentur haben wir zudem sehr coole Kund:innen. Wir arbeiten neben Unternehmenskunden auch viel im kulturellen, sozialen oder Bildungsbereich. Das ist gesellschaftlich sinnvoll.
Kommst du gerne zur Arbeit?
Meistens schon, auch wenn das natürlich nicht jeden einzelnen Tag der Fall sein kann. Ich mag besonders den Neustart bei neuen Projekten und den persönlichen Kontakt bei Kundenterminen vor Ort. Es ist spannend, die verschiedenen Organisationsstrukturen und Gebäude der Kund:innen kennenzulernen. Auch das soziale Gefüge im Büro ist mir wichtig. Wir können unseren Arbeitsalltag durch das angebotene Homeoffice sehr flexibel gestalten.