Social Media und Hochschulen?

Social Media und Hochschulen?

22.05.2012

Vorlesungsunterlagen downloaden und sich über langweilige Seminare austauschen. Sieht so das Bild von Social Media an Hochschulen aus? Keineswegs. Als kommunikativer Kitt zwischen Studierenden und Lehrenden sind sie längst in den Hochschulalltag eingebunden. Während diese Entwicklung in den Vereinigten Staaten bereits in vollem Gange ist, wird in Europa alles etwas zögerlicher angegangen.
Die Befragung amerikanischer Hochschulen, durchgeführt durch die Dartmouth University in Massachusetts, liefert folgende Aufschlüsse über den derzeitigen Auftritt in sozialen Medien:

2007-2008 haben 61 % der befragten Hochschulen zumindest eine Form von Social Media Kommunikation verwendet. 2009 waren es schon 85%. 2010 95% und 2011 sogar 100% der Hochschulen, die zumindest in einem sozialen Netzwerk aktiv waren. Dabei ist die am meisten verbreitete Kommunikationsform, eine Facebook-Seite zu betreiben (98%). 84% betreiben einen Twitter-Account und 66% der befragten Hochschulen betreiben einen Blog. Facebook, Youtube, Twitter, Blogging und Podcasting wird von amerikanischen Colleges und Universitäten benutzt, um mit ihrer Zielgruppe in Kontakt zu bleiben, Sie zu informieren und potenzielle Studienanfänger für sich zu gewinnen.

Leider wurde an europäischen bzw. österreichischen Hochschulen noch keine vergleichbare Studie durchgeführt.

Studieren 2.0

Die eigentliche Vernetzung beginnt schon vor dem Besuch der ausgewählten Universität. Schüler und andere Interessierte informieren sich in Foren und sozialen Netzwerken über das Studienangebot, die Wohnungssuche, das Nachtleben. Dabei findet eine erste Vernetzung zwischen den Studierenden statt. Später werden Mitschriften, Unterlagen und andere Dokumente unter ihnen ausgetauscht. Blogs und Videos als Mitschnitt zu Vorlesungen bieten Unterstützung und geben Anhaltspunkte für die Nachbearbeitung von Vorlesungen. Auch ganze Kurse können online absolviert werden.

Doch die neuen zeitlichen Freiheiten, die der Studierende dadurch erlangt, werden vom Lehrpersonal nicht immer begrüßt. Manche Dozenten sträuben sich gegen diese neuen Lern- bzw. Lehrmethoden, da ein Lernen vor dem Bildschirm von vielen als weniger nachhaltig als ein Besuch der Vorlesung erachtet wird. Frontalvortrag vs. Digitalvortrag. Viele wollen an ihren didaktische Vorgehensweisen festhalten und nur wenig verändern.

Offizielle Blogs von Hochschulen sind im deutschsprachigen Raum noch immer eine Seltenheit. Positive Ausnahme ist die LMU München, die auch auf Apples Hochschulplattform iTunes U stark vertreten ist. Auch hier nehmen amerikanische Universitäten eine Vorreiterrolle ein.

American way of socialising

Vergleiche zwischen amerikanischen und europäischen Universitäten sind nicht immer einfach, weil es sich in vielerlei Hinsicht um unterschiedliche Bildungssysteme handelt. Doch sie zeigen auf, wohin der Weg an Europäischen Hochschulen gehen kann, um Studierende an sich zu binden und die sozialen Netze für einen produktiven Informationsaustausch zu nutzen. Ein Informationssystem für Studierende über Twitter, eine virtuelle Sprechstunde über Facebook oder gleich eine eigene Campus-App: die Möglichkeiten sind vielfältig.

Universitäten oder Fachhochschulen können die Entscheidung für potenzielle Studierende um einiges erleichtern, wenn sie mit einer gut durchdachten Social Media Strategie im Netz auffindbar sind.

Wie können Hochschulen eine derartige Strategie entwickeln: Einen guten Ansatz bietet dabei der Artikel von Dan Klamm der 6 wichtige Schritte aufzeigt:

  1. Entwickeln Sie eine Strategie und setzten Sie sich Ziele. Wen will ich erreichen? Wie oft soll Content gepostet werden? Woher kommt dieser Content? Wie viel Ressourcen habe ich zur Verfügung? Lieber nichts überstürzen und sich sorgfältig Gedanken machen. Genauso soll bei der Zielbestimmung vorgegangen werden. Was will ich mit meiner Social Media-Strategie erreichen?
  2. Geeignete Plattform eruieren und auswählen. Man muss nicht auf jeder Plattform aktiv sein, lieber wenige Kanäle und diese gut bedienen. Welchen Content will ich vorwiegend anbieten? Daraus erschließt sich oft auch, welche Plattform am günstigsten ist.
  3. Fakultäten-Spezialisierung. Es macht wenig Sinn einen Account für die ganze Universität einzurichten. Besser ist für jede Fakultät oder Einrichtung (Bibliothek, Mensa) eigene Accounts zu erstellen, die spezifischen Content liefern.
  4. Richtlinien erstellen. Was darf man posten und was nicht? Festgelegte Richtlinien erleichtern die Abstimmung mit den Mitarbeitern. Nicht alle Personen sind auf den selben Wissensstand was soziale Medien betrifft. Durch das Festlegen von Richtlinien wird Mitarbeitern erklärt, wie sie sich zu verhalten haben. Ein gutes Beispiel wie diese Richtlinien aussehen können, zeigt das Vanderbilt Social Media Handbook. Ein Verhaltenshandbuch für Mitarbeiter die in sozialen Kanälen ihre Universität repräsentieren.
  5. Plattform auf eine gemeinsame Kommunikationsart abstimmen. Versuchen Sie nicht auf der einen Plattform wissenschaftlich seriös zu kommunizieren und auf der anderen bissige oder ironische Kommentare zu verbreiten. Dadurch würde ihre Glaubwürdigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen. Versuchen Sie eine passende Stimme zu finden und diese dann auch beizubehalten.
  6. Offen miteinander kommunizieren. Dies hört sich zwar simpel an, entspricht aber nicht immer der Realität. Die unterschiedlichen Fakultäten oder Einrichtungen dürfen nicht als Einzelgänger kommunizieren. Ein offener Austausch ist wichtig. So können auch alle voneinander lernen. Vielleicht kann ein regelmäßiges Meeting organisiert werden, mit sämtlichen Verantwortlichen für den Social Media Bereich, um so eine optimale Abstimmung zu garantieren.
Fazit

Warum schreibe ich das Ganze? Weil ich glaube, dass hier enormes Potenzial für Hochschulen liegt, um ihre Zielgruppe besser an sich zu binden und ihr Image positiv aufzuladen. Die Identifikation von Studierenden mit ihren Hochschulen ist in Österreich durchaus ausbaufähig. Ein gelungener Auftritt in den sozialen Medien ist dafür unumgänglich.

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Simon Eichinger

Ehemaliger Praktikant bei FONDA

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