Sketching im Digitalen Alltag

Sketching im Digitalen Alltag

31.07.2014

Drawing is thinking. (Milton Glaser) Auch wenn Digital mein Zuhause ist, begleiten mich meine Skizzenbücher durch den Tag. Vor allem dann, wenn ich buchstäblich vor dem weißen Blatt stehe – also in der Anfangsphase eines Projekts.

Wieso, weshalb, warum?

Ich persönlich kann mich beim Skizzieren besser konzentrieren und finde mehr Lösungsansätze als beim Nachdenken alleine. Es ist leichter, etwas auszutesten und zu entscheiden ob eine Idee im Layout funktionieren könnte. Und es hilft mir vor allem, die Anforderungen richtig zu verstehen und zu gewichten. Und ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Laura Busche fasst die Vorteile von Sketches in ihrem SmashingMag-Artikel gut zusammen: 

  • Sie geben unseren Gedanken einen Rahmen.
  • Skizzen bleiben flexibel und können sich unseren Überlegungen leicht anpassen.
  • Wir produzieren beim Sketchen manchmal glückliche Zufälle – also Ideen, die sonst vielleicht gar nicht entstanden wären. (Bob Ross sagt: „We don’t make mistakes, we have happy accidents.“
  • Sie fördern das Teamverständnis für ein Problem bzw. eine Lösung.
  • Skizzieren ist effektiv.
  • Wir können uns beim Skizzieren besser und länger konzentrieren.
Wann wird gesketched?

Bei uns werden Skizzen oft für erste Layout-Ideen verwendet. Da werden Fragen beantwortet wie…

  • Welche Inhalte sollen mit welcher Prio auf die Startseite?
  • Welche Story erzählt das Layout? 
  • Wie sieht das Navigationskonzept aus? 

In frühen (internen) Besprechungen ebnen wir uns so den gedanklichen Weg zum fertigen Konzept. Super funktioniert das vor allem, wenn Konzepter und Designer beide separat ihre Vorstellungen skizzieren und sich dann gemeinsam auf eine Richtung einigen. So können erste graphische Ideen schon mit in die Struktur einfließen. (Das funktioniert, sofern Designer und Konzepter 2 verschiedene Personen sind. Falls nicht, sollte man „Schizophrenes Sketching“ mal erfinden..)

In dieser Phase wird bei uns schon in verschiedenen Größen skizziert, um zu überprüfen ob die Vorstellungen später auch in alle Viewports passen. Dabei funktioniert die Richtung „klein zu groß“ oft besser als umgekehrt. Es reicht dabei meistens aus, wenn die komplexesten Module skizziert werden und ein Content Reference Wireframe dazu angelegt wird, in dem die Hierarchie und Gewichtung der Elemente festgelegt wird. In der Konzeptphase geht’s dann mit detaillierteren Skizzen und / oder Mockups in Balsamiq oder Axure weiter.

"Aber ich kann doch gar nicht zeichnen..!"

Meine Skizzen sind ein Mix aus Layout-Scribbles, Nahaufnahmen von Content-Elementen, Text und kleinen Visualisierungen von Design-Ideen. Und die meisten sind sehr weit weg von den Hochglanz-Scribbles, die man als Designer gerne stolz präsentiert. Aber den Anspruch muss man beim Ideen-Generieren auch gar nicht an sich stellen. Für Präsentationen oder Besprechungen kann man ausgewählte Gedanken und Skizzen dann ja ruhig noch „schöner“ ausführen, wenn man möchte.

Wer trotzdem Skrupel vor schiefen Linien hat, kann sich auch diverser Hilfsmittel bedienen. Alex, eine unserer KonzepterInnen, verwendet zum Beispiel verschiedenfarbige Post-Its für die einzelnen Contentblöcke. Die lassen sich ohne Weiteres verschieben und zu einem Layout zusammenbasteln.

Oder man wirft die Bedenken einfach von Bord und kommuniziert Ideen trotzdem effektiv ;)

Für die Ideenfindung kann man das Skizzieren natürlich auch gerne mit Methoden seiner Wahl ergänzen. Alles, was die Gedanken in den Flow bringt, ist erlaubt (das darf auch Excel sein!). 
Wenn ich nach neuen Blickwinkeln suche, setze ich mir zum Beispiel oft Zeitlimits: 20 Skizzen in 5 Minuten. So eine 5-Minuten-Session hilft, alle herumschwirrenden Gedanken und Ideen erstmal auf den Punkt zu bringen. Danach wird gnadenlos aussortiert. 2-3 Ideen davon nehme ich mir zum Weiterdenken mit. Für Projekte die einen starken Fokus auf das Marken-Image haben, kombiniere ich das Skizzieren auch mit Freewriting – also ungefiltertem „kreativem Schreiben". (Der Begriff kreatives Schreiben ist mir ehrlich gesagt unglaublich unsympathisch.)

Einsam, zweisam, gemeinsam skizzieren

Auch wenn ich persönlich beim Scribblen selbst grundsätzlich lieber alleine bin, ist eine Ideenskizze eine gute Grundlage für Konzept-Diskussionen und -Feedback. Wer gut darin ist, on the fly seine Gedanken zu Papier zu bringen, kann, darf und soll auch gemeinsam (mit Kunden oder im Team) skizzieren.

Generell gilt: Sketchen ist nicht jedermanns Sache und das ist auch in Ordnung so. Aber man sollte sich nicht von Selbstzweifeln wie „Ich kann doch gar nicht zeichnen“ davon abhalten lassen, seinen Kreativprozess damit zu unterstützen.

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Melanie Massinger
Melanie Massinger

Melanie ist Graphik- und Interaktionsdesignerin. Sie hat eine Vorliebe für Bücher & Geschichten und ist durch und durch Katzenmensch.

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Melanie ist Graphik- und Interaktionsdesignerin. Sie hat eine Vorliebe für Bücher & Geschichten und ist durch und durch Katzenmensch.

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